Freitag, 17. August 2012

Rezension: Purpurmond

"Purpurmond" 
von Heike Eva Schmidt (erschienen im PAN-Verlag, 2012)


Klappentext:
Bamberg 1630 - Höhepunkt der Hexenverfolgung. Und Cat aus der Gegenwart steckt mittendrin ...
Als Cat einen alten Halsreif findet, legt sie ihn sich neugierig um. Dumm nur, dass das Schmuckstück mit einem Fluch belegt ist und sie geradewegs in die Vergangenheit befördert. Zu allem Überfluss lässt sich der Kupferreif auch nicht mehr von ihrem Hals enfernen. Wären da nicht die kräuterkundige Dorothea und deren Bruder Jakob, der Cats Herz schneller schlagen lässt, würde sie wohl verzweifeln, vor allem, da der Halsreif sich immer enger zusammenzieht ...

Wieso habe ich dieses Buch gekauft?
Zunächst der simpelste Grund: Mir fiel das Cover ins Auge. Außerdem mag ich Bücher mit Zeitreisen und der Klappentext hört sich spannend an.


Welche Erwartungen hatte ich an das Buch?
Nunja, der Klappentext ist ja recht umfangreich. Ich ging davon aus, dass die Hauptperson Cat wegen eines Halsreifs, den sie nicht mehr abnehmen kann, in die Vergangenheit reist, wo ihr Dorothea und Jakob helfen, den Fluch zu lösen.

Worum geht es denn eigentlich?
Tja, ich verweise nochmals auf den ausführlichen Umschlagtext ;-)

Die 17-jährige Cat tut sich schwer damit, sich in ihrer neuen Heimat Bamberg einzuleben. Da ihre Mutter ihr jedoch immer wieder einbläut, sie müsse neue Freunde finden, geht sie schließlich, trotz Sinas anfänglicher Abneigung ihr gegenüber, zur Party der Klassenzicke. Doch Sinas gespielte Nettigkeit verschwindet schnell und nach wenigen Minuten auf der "Party" im Drudenhaus, dem ehemaligen Hexenverließ, wird Cat von Sinas Clique dort eingesperrt. Es ist fast dunkel, Cat tastet umher und findet einen Halsreif, den sie sich sofort umlegt. Kaum hat sie das kurze Gedicht gelesen, das bei dem Reif gelegen hat, verliert sie das Bewusstsein und wacht im Bamberg des Jahres 1630 auf. Bald jedoch wird sie in die Gegenwart zurück befördert, wo sie anfängt, über Hexen und Flüche zu recherchieren, denn der Reif legt sich immer fester um ihren Hals. Fazit ist, dass sie nochmals in die Vergangenheit muss, um die Person zu finden, die den Fluch ausgesprochen hat.
Parallel dazu wird eine Geschichte aus Dorotheas Sicht, 1630, erzählt. Die 16-jährige Kräuterkundige verliebt sich in Daniel, den Sohn des Obersten Richters Förg. Der Richter ist mit der Beziehung nicht einverstanden und an seines Sohnes Statt möchte er Dorothea zur Frau nehmen. Ihre offensichtliche Abscheu gegenüber Förg lässt den kaltblütigen Richter zu unlauteren Methoden greifen.
Dorothea hilft Cat, sich 1630 zurecht zu finden. Während Cat zunächst nach der Person suchen will, die den Reif verflucht hat, muss sie bei der nächsten Zeitreise erfahren, dass Dorothea der Hexerei beschuldigt und ins Verließ gebracht wurde. Dorotheas Bruder Jakob lebt im Kloster. Cat verliebt sich in ihn und kann ihn davon überzeugen, Dorothea vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen retten zu müssen. Dabei ist ihnen auch Daniel eine große Hilfe.
Cat muss nun nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Freundin retten. Doch die Schicksale der beiden Mädchen sind eng miteinander verbunden - zum Glück oder zu Cats Unglück?

Wurden meine Erwartungen bestätigt?
Teilweise. Ich war nicht davon ausgegangen, dass neben Cats Versuch, den Halsreif loszuwerden, Dorotheas Geschichte eine so große Rolle spielen würde. Was mich anfangs verwirrt hat, stellte sich im Nachhinein als gut heraus. Abwechselnd wird ein Kapitel von Cat erzählt und das nächste handelt von Dorothea. Dabei ergeben sich erst im Laufe der Handlung Berührungspunkte.
Nebenbei spielt sich eine kleine Liebesgeschichte zwischen Cat und Jakob ab, die wenig zur Handlung beiträgt aber für das Happy End verantwortlich ist. Ganz nett.
Ich hatte gehofft, dass das Buch spannend wäre. War es auch irgendwie, aber eher wegen Dorothea als wegen des Halsreifs. Letztendlich egal, es war immerhin so spannend, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage durchlesen musste.

Ist das Buch gut?
Nein. Das heißt, zum Teil. Sehr gut gefällt mir, dass es zunächst wie zwei völlig unterschiedliche Geschichten aussieht, deren Bedeutung füreinander erst später klar wird. Auffällig gut fand ich hier auch die Kapitelübergänge. Beispiel: "Denn dies war wohl das letzte Mal, dass sie sich so nahe sein würden. (---) "Das Unheil kommt näher."" Sprachlich ähnlich interessant gestaltet sind die meisten anderen Übergänge ebenfalls.
Furchtbar war allerdings die Haupthandlungsträgerin Cat. Dass sie absolut keine Ahnung von Geschichte hat (Sie landet im Jahr 1630 und denkt an Jane-Austen-Filme, also bitte.), kann ich ihr (und der Autorin) vielleicht noch verzeihen. Ihre Ausdrucksweise ist jedoch ein absolutes No-Go. Es scheint so, als hätte die Autorin versucht, die Protagonistin um jeden Preis jugendlich erscheinen zu lassen. Es gibt nichts schlimmeres als Erwachsene, die sich um zwanghafte Jugendlichkeit bemühen (1630, Cat zu einem Jungen, der sie wegen ihrer roten Haare als Hexe bezeichnet: "Halt die Klappe, du Nervensäge. Geh nach Hause und spiel 'ne Runde Playstation, wenn dir langweilig ist!").
Rechnen kann Heike Eva Schmidt offenbar auch nicht, ebensowenig wie die Redaktion. Jakob zitiert ein Gedicht von Dante. "Ich habe von einem italienischen Dichter gelesen, der vor 100 Jahren lebte." Dante, gestorben: 1321. Zeit des Geschehens: 1630. 1630-100=1530, ungleich... naja. Möglicherweise ist Jakob auch nicht sehr zahlengewandt. Cat offensichtlich auch nicht. Permanent verweist sie auf den Zeitunterschied von 300 Jahren. Dreihundert? 1630+300=1930. Und ich dachte, das Buch spielt 2012? Das hat mich wirklich wahnsinnig gemacht.
Abschließend erläutert die Autorin kurz die historischen Hintergründe der letzten Hexenprozesse in Bamberg. Ich hoffe, wenigstens diese Erklärungen sind korrekt.

Fazit?
Die Grundidee ist gut. Man hätte viel daraus machen können. Leider wirkt die Geschichte aufgrund der Protagonistin unwirklich, Cat nervt einfach. Schade. Wenn man sich nicht zu sehr an der völlig überzogenen Ausdrucksweise stört, lässt sich das Buch aber ganz locker weglesen.

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