Sonntag, 8. Juli 2012

Poesie: Der Baum (Verfasser unbekannt)

Der Baum

Ziellos geh ich durch die Gassen.
Ich bin verletzt und spüre Wut.
Ich will mich auch nicht trösten lassen,
Ich fühle nur, wie weh das tut.

Gedanken drehen sich im Kreise,
Ich sehe meine Umwelt kaum.
"Warum grad' ich?" frag ich mich leise.
Da fällt mein Blick auf einen Baum.

Sein dicker Stamm legt sich in Falten,
zeugt von Verläßlichkeit und Kraft.
Doch sind's die Wurzeln, die ihn halten,
allein hätt' er es nie geschafft.

Und alle grünen Blätter tanzen
scheinbar spielerisch im Wind.
Doch sie sind ein Teil des Ganzen,
bis sie im Herbst vergangen sind.

Ich möchte seiner Stimme lauschen,
wenn er erzählt von Sturm und Wind,
dem Ächzen und dem Blätterrauschen,
den Vögeln, die dort heimisch sind.

Im Winter mit den kahlen Zweigen,
im Frühling dann der Blütentraum.
Er wird sich mir stets anders zeigen,
und bleibt doch stets derselbe Baum.

Sinnend schau ich auf zur Krone,
denke und erkenne dann:
Ein Ganzes ist ganz zweifelsohne
mehr, als das Auge fassen kann.

Drum will ich nicht die Zeit verschwenden,
mit Klagen, was man mir verwehrt.
Ich will dem Leben mich zuwenden,
und nehmen, was es mir beschert.

(Verfasser unbekannt)

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