Sonntag, 1. April 2012

Rezension: Das Mädchen mit dem Stahlkorsett

"Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" 
von Kady Cross (dt. Ausgabe erschienen im Heyne-Verlag, 2011)


Klappentext:
Mein Name ist Finley Jayne. Ich lebe in London - der Stadt, in der Licht und Dunkelheit ganz nahe beieinander liegen. So wie bei mir selbst. Ich habe übermenschliche Kräfte, und wenn mir jemand dumm kommt, kann das für den Betreffenden schon mal böse enden. Als auf die Königin ein Mordanschlag verübt werden soll, bittet man mich, England zu retten ...
... UND DER SPASS BEGINNT!

Wieso habe ich dieses Buch gekauft?
Schlicht und einfach, weil mich das Cover fasziniert (und nicht, wie meine Mutter meinte, weil im Titel "Korsett" steht).

Welche Erwartungen hatte ich an das Buch?
Der Klappentext ist aus der Perspektive der Hauptperson, Finley Jayne, geschrieben, in der Ich-Form. Daher ging ich von einem ebenso verfassten Roman aus.
Thematisch erwähnt der Klappentext London, eine Königin und übermenschliche Kräfte. Obwohl Cover erfahrungsgemäß nicht oft zur Handlung eines Buches passen, ging ich aufgrund des Bildes und der Themen von einer Steampunk Geschichte aus.
Außerdem verspricht der Umschlagtext eine spannende Verbrecherjagd mit einer starken Titelheldin.


Worum geht es denn eigentlich?
Kurz: Um eine Gruppe Jugendlicher mit übersinnlichen Kräften, die bei der Jagd nach einem Terroristen auf selbstständig denkende Automaten und das Geheimnis ihrer Fähigkeiten stoßen.

Wir befinden uns in einer Welt, in der Maschinen und Automaten den Menschen das Leben einfacher machen. Ob als Kellner oder Tunnelgräber, die Roboter werden vielfältig eingesetzt. Neben den programmierten Automaten gibt es dampfbetriebene Kutschen, tragbare Telegrafengeräte und Telefone. Hauptcharakter der Geschichte ist die 16-jährige Finley Jayne, die 1897 im spät-viktorianischen London lebt. Finley leidet darunter, dass sie zwei Persönlichkeiten hat: Eine ruhige und anständige Seite, die ihr Anstellungen als Kindermädchen oder Kammerzofe ermöglicht. Und eine bedrohliche, gewaltbereite Seite, die ihr jedes Mal eine Kündigung eingehandelt hat. Finley kann den Einfluss der 'dunklen' Seite nicht kontrollieren. Sie weiß nur, dass sie in den Vordergrund tritt, wenn sie sich bedroht fühlt und dass sie in diesem Zustand nahezu unbesiegbar ist.
Dann lernt sie den 18-jährigen Griffin King, den Duke of Greythorne kennen, der sie in seinem Haus aufnimmt. Dort leben außerdem Griffins Freunde Sam, Emily und Jasper und seine Tante. Alle haben sie, wie Finley, übermenschliche Fähigkeiten. Griffin und seine Freunde sind zur Zeit damit beschäftigt, einen Verbrecher zu fangen. Im Auftrag von Königin Victoria wollen sie denjenigen ausfindig machen, der für eine Reihe von Diebstählen und Übergriffen mit scheinbar außer Kontrolle geratenen Automaten verantwortlich ist.
Während sich Finley und Emily anfreunden und Griffin sich zu ihr hingezogen fühlt, kann Sam "die Neue" nicht ausstehen und fühlt sich ausgegrenzt. In einem Pub findet er einen neuen Freund, dem er sich anvertraut. Auch Finley macht eine neue Bekanntschaft. Sie bändelt mit dem berüchtigten Halbweltganoven Jack Dandy an, was besonders Griffin sehr stört.

Wer ist der geheimnisvolle Maschinist, der als Hauptverdächtiger für die Automatenübergriffe gilt? Steckt etwa Jack Dandy dahinter? Oder gar Finleys dunkle Seite? Und was hat das alles mit dem Tod von Griffins Eltern und deren bahnbrechenden Entdeckungen im Inneren der Erde zutun?

Wurden meine Erwartungen bestätigt?
Zu meiner Freude wird die Geschichte statt in der Ich-Form von einem personalen Er/Sie-Erzähler mal aus Finleys, aus Griffins und auch mal aus Sams Sicht geschildert.
Die erwartete Steampunk-Location dient als Rahmen für die Handlung und wird anschaulich beschrieben. Anfangs dauerte es ein wenig, bis ich mich in die vorherrschenden Verhältnisse eingelesen hatte. Allerdings hatte ich mich auch noch nie mit dem Thema beschäftigt.
Die Story konnte mich leider nicht überzeugen. Ich kenne kaum ein Buch, bei dem der Klappentext derart unpassend ist. Ein Mordanschlag auf die Königin? Vielleicht nach 200 von 368 Seiten. Die "Haupthandlung" spielt sich in den letzten 4-5 Kapiteln ab, ist aber schon sehr viel früher offensichtlich.

Ist das Buch gut?
Nein. Wie gesagt ist sein Ausgang sehr vorhersehbar. Die Charaktere sind flach und ihre Handlungen zwar teilweise vorauszusehen und ein bisschen nachvollziehbar, häufig aber vollkommen unpassend und verwirrend. Besonders die Gedankenwelt der Figuren hat mich sehr enttäuscht. Durch die Bank scheinen sämtliche Charaktere mental verwirrt, und zwar alle auf die gleiche, nervige, schlechte Art.
Ein Stahlkorsett bekommt Finley in der Hälfte des Buches und trägt es ca. zwei Kapitel lang.
Wichtige Handlungsschritte werden in wenigen Sätzen abgehandelt, die Nebenhandlung erstreckt sich aufgrund vieler Wiederholungen über mehrere Kapitel.

Fazit?
Eine leichte Urlaubslektüre, die sich an 2 Tagen durchlesen lässt. Abzüge gibt's für voraussehbare Handlung, schlechte Dialoge, flache Charaktere und wenig Inhalt. Pluspunkte gehen an die schön gestaltete Fantasiewelt und die Atmosphäre, die Kreativität und an die Figur des Jack Dandy, die als einzige etwas Eigenleben bekommt und einfach nur genial ist.

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